Die Rikschas Indonesiens

Becak aus Bandung

Becaks heißen die Fahrradrikschas in Indonesienen. Allzu schnell können Ungeübte mit diesen Rädern, in denen die Fahrgäste vor dem Fahrgast sitzen, allerdings nicht fahren, da es sonst schnell eine wackelige Angelegenheit werden kann. Nichteinmal Freilauf besitzen die ursprünglichen echten Becaks, die aus den kleinen Fabriken kommen, das heißt der Fahrer muss, solange er rollt, immer mittreten. Natürlich wäre es hierzulande ein leichtes ein Rücktrittrad mit Freilauf nachzurüsten.

Der Bremshebel befindet sich beim Becak unterhalb des Sitzes

Im Jahr 1930 kamen die erstens Rikschas nach Indonesien. Der erste Eindruck dieser Rikschas allerdings war, dass sie unzuverlässig und gefährlich waren. Trotzdem konnten sie sich auf dem indonesischen Archipel ausbreiten, ausgenommen davon ist allerdings Bali.
Schon seit 1970 ist in den Städten aber aufgrund der Motorisierung ein Rückgang der Beckas zu verzeichnen. 1972 wurden den Becakfahrer dann die Benutzung der Hauptstraßen in Jakarta verboten. 16 Jahre später dann wurde dieses Fahrverbot für das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Die Rikschas stellten ein Verkehrshindernis dar und die Arbeit sei inhuman, argumentierten die Politiker. Die Fahrer, die zu den Ärmsten der Armen gehören, sollten zurück in ihre Dörfer gehen.

lustige Kinderrikscha in Jakarta

Einen Höhepunkt erreichten die Razzias der Behörden 1990 als 100 000 Becaks unter dem Motto „sauberes humanes und würdevolles Jakarta“ beschlagnahmt, sichergestellt oder im Meer versenkt wurden. So zumindest der offizielle Teil. Inoffiziell heißt es, dass einige Polizisten korrupterweise  Becaks weiterverkauft haben um sich zu bereichern. 1998 suchte dann noch eine große Wirtschaftskrise das Land Heim, die noch mehr Menschen in die Armut trieb und zu Unruhen führte.

hölzernes Becak

2001 dann gab es noch einmal einen großen Schlag für die Becakfahrer als nocheinmal 7000 Becaks konfisziert wurden und sich hilflose Fahrer Straßenschlachten mit der Staatsmacht lieferten. Zwar war immer ein Ausgleich für die Fahrer in Form von Krediten geplant, doch hat keiner der Betroffenen auf diese Weise wirklich Hilfe erhalten.  Diese Alternativen forderte auch die Gewerkschaft der Becakfahrer, das „Urban Poor Consortium“. Man könne Armut nicht beseitigen indem man sie militärisch bekämpft, sondern man muss Alternativen schaffen. Die Politiker aber verweigern jegliche Gespräche mit den Gewerkschaften.

indonesischer Eisverkäufer

Verkauf aus dem Becak

Ingo Fath vom Rikscha-Service Rhein-Neckar beschreibt, warum er sich für Becaks entschieden hat:

Ich war lange in Indonesien und Süd-Ost-Asien und konnte vor Ort viel sehen. Neben den Cyclos aus Vietnam und den Becaks aus Indonesien gibt es noch die Becas aus Malaysia als „Vorderlader“. Selbst die indonesischen Becaks sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Sie haben z.B. in Bandung, Yogyakarta, Surakarta oder Surabaya sehr unterschiedliche Verdecke und Kotflügel. Die schönsten Becaks kommen aus der Sultansstadt Yogyakarta in Zentraljaya, auf die ich mich spezialisiert habe. Die Grundkonstruktion ist aus Stahl, der Vorderwagen ist mit Holz verkleidet. Sie haben runde Kotflügen aus dickem Blech, die handbemalt sind. Ihr Verdeck besteht aus einer Metall-Rattankonstruktion mit dicker Bespannung. Der optische Eindruck ist farbenfroh aber nicht kitschig. Sie sind Jahrzehntelang im Dauertest erprobt und unverwüstlich.
Meine Becaks (stammen aus Yogyakarta) wurden hier neu zusammengebaut und technisch ergänzt/verändert (Rahmen pulverbeschichtet, die besten Fahrrad-Schaltungen mit Freilaufnabe eingebaut, die Bremsen verändert, die Sitzhaltung des Fahrer aufrecht gestaltet, die Beinfreiheit verbessert usw.). Kurz, es sind Schmuckstücke, traditionelle Rikschas die absolut alltagstauglich sind.
Und – es sind richtige Rikschas (und keine Elektromobile) und damit wirklich umweltfreundlich. Sie sind trotz des oben beschriebenen Aufbaus leichter als die modernen europäischen Fahrradtaxen mit Elektromotorunterstützungen und den dazu notwendigen, schweren Batterien.

Quellen:
– Fotos: Wikimedia Commons, Urheber: Jonathan McIntosh, Bestimmte Rechte vorbehalten
– Vertreibung der Becakfahrer in Jakarta von Marianne Klute, Watch Indonesia
Chasing Rickshaws von Richard I’anson
– Mehr schöne Bilder von Fotograf Jonathan McIntosh im Wikimedia Commons
– Vielen Dank auch an Ingo Fath für seine Ausführungen

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